Ollie & Co. on the Go

Nach seiner erfolgreich beendeten Vendée Globe könnte es Oliver Heer etwas ruhiger angehen lassen. Könnte er. Doch das entspricht ungefähr so sehr seinem Naturell wie eine gemütliche Kaffeefahrt seinem neuen Boot. Der Rapperswiler Offshore-Segler hat die nächste Stufe gezündet: Mit seinem Team «Embrace The Challenge» will er 2027 am The Ocean Race teilnehmen. Aus dem Solisten wird ein Teamchef, aus einem persönlichen Abenteuer eine internationale Kampagne.

45’000 Kilometer allein auf See. 99 Tage, 5 Stunden, 27 Minuten und 34 Sekunden ohne Zwischenstopp, ohne fremde Hilfe und ohne die Möglichkeit, bei Problemen kurz den Mechaniker zu rufen. Als Oliver Heer im Februar 2025 die Ziellinie der Vendée Globe überquerte, hatte er nicht nur die härteste Solo-Regatta der Welt beendet. Er war auch der erste Deutschschweizer, dem dies gelungen war.


Rang 29 klingt dabei nüchterner, als die Geschichte dahinter war. Heer hatte auf dem Weg zur Startlinie zahlreiche sportliche, technische und finanzielle Hürden überwinden müssen. Auch während des Rennens blieb ihm wenig erspart. Dass er seine erste Vendée Globe dennoch zu Ende brachte, war vor allem das Resultat einer Eigenschaft, die sich inzwischen wie ein roter Faden durch seine Karriere zieht: Er lässt sich nur ungern davon beeindrucken, wenn etwas schwierig wird. Oder, wie es im Namen seiner neuen Kampagne heisst: Embrace The Challenge.

Ein alter Traum, eine neue Rolle

Nun soll ausgerechnet der Mann, der während dreier Monate praktisch alles allein erledigte, ein internationales Team im Offshore-Segeln führen. Heer will am 17. Januar 2027 in Alicante als Skipper beim Mannschaftsrennen The Ocean Race starten. Fünf Etappen, vier Ozeane und knapp 60’000 Kilometer liegen vor den Crews. Für Heer wäre die Teilnahme die Erfüllung eines Kindheitstraums.

Schon als Bub verfolgte er das Whitbread Round the World Race und später das Volvo Ocean Race. Er verschlang Segelmagazine und stellte sich vor, selbst einmal als Teil einer Crew um die Welt zu rasen. Damals dürfte er allerdings kaum geahnt haben, dass er dieses Team eines Tages nicht nur anführen, sondern die gesamte Kampagne gleich selbst aufbauen würde.


Auch aus Schweizer Sicht wäre seine Teilnahme bemerkenswert. In den 1980er-Jahren hatte Pierre Fehlmann mit seinen Whitbread-Kampagnen bewiesen, dass ein Binnenland im internationalen Hochseesegeln durchaus Wellen schlagen kann. Fehlmann inspirierte damit eine ganze Generation von Schweizer Seglern. Seither waren Schweizerinnen und Schweizer zwar immer wieder Teil bedeutender Offshore-Projekte – einen eigenen Schweizer Skipper an der Spitze einer Ocean-Race-Kampagne gab es jedoch seit Jahrzehnten nicht mehr.


Heer will diese Geschichte weiterschreiben. Nicht als Neuauflage von Pierre Fehlmann, sondern auf seine eigene Art.

Allein geht es nicht mehr

Die Vendée Globe und The Ocean Race führen beide um die Welt – ansonsten könnten die Anforderungen kaum unterschiedlicher sein. Beim Solorennen entscheidet der Skipper allein. Er steuert, navigiert, repariert, kocht und wägt ab, wie viel Risiko Mensch und Maschine noch vertragen. Im Zweifel diskutiert er mit sich selbst.

Auf einer voll besetzten IMOCA sieht die Sache anders aus. Dort wird rund um die Uhr gesegelt, häufig am Limit. Mehr Menschen bedeuten mehr Leistung, aber…

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T: Stefan Detjen
F: PKC Media / Thomas Hulliger

oliverheer.com

theoceanrace.com

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