Es gibt Boote, die versuchen, alles zu sein. Familienboot, Sportboot, Cruiser, Angelplattform und Partylocation. Meist endet das in einem Kompromiss auf Rädern – oder besser gesagt auf dem Wasser. Die finnische Axopar geht seit Jahren einen anderen Weg. Ihre Boote folgen einem einfachen Prinzip: weniger Schnickschnack, mehr Fahrspass.



Es gibt Boote, die wollen beeindrucken. Mit viel Chrom. Mit aufwendigen Polstern. Mit Teakholz in Mengen, für die andernorts ganze Wälder gefällt werden müssten. Und dann gibt es die Axopar 28 Sun Top. Schon am Steg wirkt die 8,75 Meter lange Finnin anders als viele ihrer Konkurrentinnen. Während andere Werften auf geschwungene Linien und mediterrane Eleganz setzen, präsentiert sich die Axopar kantig, funktional und fast schon ein wenig militärisch. Nicht wenige vergleichen ihr Design mit einem Patrouillenboot oder einem Fahrzeug aus einem Science-Fiction-Film. Genau das macht ihren Reiz aus. Man liebt sie – oder eben nicht. Dazwischen gibt es nicht viel. Auch in der internationalen Bootscommunity sorgt das ungewöhnliche Erscheinungsbild regelmässig für Diskussionen.
EHER ABENTEUER ALS APEROL SPRITZ
Dieses Boot stammt nicht aus einer Region, in der man den ganzen Tag Rosé trinkt und über die Farbe der Sitzpolster diskutiert. Die Axopar kommt aus Finnland. Aus einem Land, in dem das Meer kalt, die Küsten rau und die Menschen eher dafür bekannt sind, Probleme zu lösen als sie mit Design zu kaschieren. Wer an Bord steigt, merkt schnell: Dieses Boot möchte gefahren werden. Der umlaufende Walkaround macht das Bewegen an Bord einfach und sicher. Die hohen Freiborde vermitteln Vertrauen, auch wenn die See einmal ruppiger wird.
Mit der neuen Gattung Explorer-Boot haben die Finnen um den Serial Entrepreneur Jan-Erik Viitala nicht nur ein neues Konzept geschaffen, sondern gleich eine Lawine von Nachahmern losgetreten. Aber wie so oft im Leben: die Ersten bleiben die Besten.

LEINEN LOS, GRINSEN AN
Der Wetterbericht verspricht 20 Knoten Wind und kurze Wellen. Drei Stegnachbarn beschliessen spontan, den Tag lieber im Restaurant zu verbringen. Die Axopar 28 Sun Top scheint darüber nur müde zu lächeln.
Die wahre Persönlichkeit eines Bootes zeigt sich bekanntlich nicht im Hafen. Also Leinen los. Schon beim Herausbeschleunigen aus der Bucht passiert etwas Interessantes. Die Axopar steigt sauber ins Gleiten, ohne grosses Theater. Kein Aufbäumen, kein dramatisches Röhren, kein unnötiges Muskelspiel. Sie macht einfach ihren Job. Und zwar verdammt gut.
Vor dem Steuerstand schützt das markante Sun-Top-Dach vor Sonne und Wind, ohne das Gefühl eines offenen Bootes einzuschränken. Genau diese Mischung aus Schutz und Freiheit macht den Charakter dieser Axopar-Version aus. Die Sitzposition hinter der Windschutzscheibe erinnert eher an einen sportlichen SUV als an ein klassisches Motorboot. Alles liegt dort, wo man es erwartet. Kein überflüssiger Zierrat, keine Designspielereien. Skandinavische Sachlichkeit in ihrer angenehmsten Form.
DER EIGENTLICHE STAR: DER RUMPF
Die wahre Magie der Axopar beginnt, wenn die Geschwindigkeit steigt. Der zweistufige Rumpf mit ausgeprägtem V-Spant gehört seit Jahren zu den grossen Stärken der Marke. Bereits früh wurde die Axopar 28 für ihre hervorragenden Fahreigenschaften gelobt. Selbst bei kabbeliger See schneidet der sogenannte „Sharp Entry Hull“ überraschend sanft durch die Wellen.
Unser Testboot war mit einem Mercury-Aussenborder ausgestattet, der die 38 Sun Top mühelos auf Geschwindigkeiten jenseits der 40-Knoten-Marke beschleunigt. Die Werft selbst hat nie einen Hehl daraus gemacht, dass Performance ein zentrales Entwicklungsziel war. Und das spürt man.
Je schneller das Boot wird, desto mehr versteht man, weshalb die Werft weltweit so erfolgreich geworden ist. Der Rumpf schneidet souverän durch kurze Wellen, bleibt präzise steuerbar und vermittelt selbst dann Vertrauen, wenn andere Boote längst anfangen, nervös zu werden. Der Tacho zeigt fast 40 Knoten. Man merkt es kaum. Denn es liegt noch mehr drin. Aber zurück zum flotten Cruising Speed von 30 Knoten. Die Twin-Motoren drehen dabei mit 4’250 U/m und lechzen nach drei Litern Kraftstoff pro Seemeile. Mit einer Treibstoffreserve von 10% kämen wir damit 250 Meilen weit. Die Lenkung…
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T: Stefan Detjen
F: Werft
BOOTE POLCH SWITZERLAND AG
Urnäscherstrasse 51
9104 Waldstatt
bootepolch.de
| AXOPAR 38 SUN TOP | |
| Länge inkl. Motor | 11,85 m |
| Breite | 3,53 m |
| Tiefgang bis Propeller | 1,1 m |
| Max. Geschwindigkeit | 45+ Knoten |
| Kojen | 2 + 2 |
| Segelfläche | 98,0 m2 |
| Kraftstoff | 830 l, optional 1000 l |
| Aussenbordmotoren | 2 x 300 – 2 x 350 PS |
| Reichweite | ca. 250 nm |
| CE-Kategorie | B – Offshore / C – Küste |
| Passagiere | B: 10 Pers. / C: 12 Pers. |
| Preis | ab 190 425 Euro (zzgl. Mwst) mit zwei Mercury V8 Verado 300 PS |

