Jasmine Harrison ist eine britische Ausdauersportlerin, die mehrfach Grenzen verschoben hat. Vom Schwimmen über lange Distanzen, über die Atlantiküberquerung im Ruderboot bis zur ambitionierten Einhand-Weltumsegelung – Harrison ist ein Beispiel dafür, wie Leidenschaft, Disziplin und Abenteuerlust grosse sportliche Leistungen hervorbringen können.
Der Horizont ist eine Linie, die sich nicht bewegt. Das Boot schaukelt, der Wind ist launisch, das Wasser ist schwarz. Jasmine Harrison hält den Blick darauf gerichtet, als könne sie den nächsten Schritt sehen. «Es gibt diese Momente auf See», sagt sie später, «in denen alles in dir fragt, warum du hier bist. Und genau dann musst du antworten.»
Wenn Jasmine Harrison vom Meer spricht, klingt es nicht nach Romantik, sondern nach Respekt. «Der Ozean ist kein Gegner, den man besiegt», sagt sie. «Er zeigt dir nur, wie klein du bist – und wie stark du werden kannst.» Diese Haltung zieht sich durch die aussergewöhnliche Karriere einer jungen Frau, die in drei Disziplinen an die Grenzen des Machbaren gegangen ist: Schwimmen, Rudern und Segeln.
Harrison, aufgewachsen in North Yorkshire, ist keine klassische Profisportlerin mit Medaillensammlungen und Sponsorenapparat. Sie ist Abenteurerin, Ausdauerathletin und Projektmacherin – jemand, der sich Ziele setzt, die grösser sind als das Gewohnte, und sie dann mit beeindruckender Konsequenz verfolgt.

ALLEIN AUF DEM ATLANTIK
Mit 21 Jahren stellt sie einen Rekord auf, der weltweit Schlagzeilen macht: Jasmine Harrison wird zur jüngsten Frau, die den Atlantik allein mit dem Ruderboot überquert. Die Schwimmlehrerin und Barkeeperin ist 70 Tage unterwegs, von den Kanaren bis in die Karibik. Monatelang gibt es nichts ausser Wasser, Himmel und den gleichmässigen Rhythmus der Ruder. «Am Anfang hatte ich noch das Gefühl von Abenteuer», erinnert sie sich. «Später war es einfach nur noch Arbeit. Essen, rudern, schlafen. Immer wieder.»
Abwechslung auf ihrem Boot Argo bringt ihr ein Ball mit Gesicht (den sie natürlich Wilson nennt), ihr Vorrat an Nutella und Erdnussbutter und Musik. Und der tägliche Call mit dem Satellitentelefon mit ihrer Mutter. Die Idee zu dieser Extremleistung kam ihr in Antigua, als sie die Ankunft der Teilnehmer am Talisker Whisky Atlantic Challenge miterlebte. Da wusste sie: das will ich auch schaffen. 18 Monate investierte sie in ihr Projekt «Rudderly Mad», trainierte und liess sich in Wetterkunde ausbilden. Dass sie das allein durchzog, war ihr von Anfang an klar. «Ich habe mich in einem Raum voller Menschen schon einsamer gefühlt als allein auf dem Ozean.»
Es gibt Tage, an denen sie zwanzig Stunden am Stück rudert. Nächte, in denen Wellen über das Deck schlagen. «Ich hatte Angst, natürlich. Vor Stürmen, vor dem Kentern, vor der…
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T: Stefan Detjen
F: Jasmine Harrison/Mini Globe Race/Atlantic Campaigns
jasmine-harrison.com



