Lagoon 38 – Lucky Number 38

Es ist verflixt schwer, die Nachfolge eines erfolgreichen Bootsmodells anzutreten. Die Lagoon 380 hatte die Latte hoch gelegt. Seit ihrem Launch 1999 wurden davon über 1’000 Exemplare verkauft. Sie galt als Raumwunder mit einem einsteigerfreundlichen Preis. Die neue Lagoon 38 schickt sich an, den erfreulichen Verkaufskurs fortzusetzen. Wave testete den Nachfolgerkat bei ziemlich viel Wind vor Barcelona.

Lange Gesichter frühmorgens bei der internationalen Testsegler-Crew: Bénéteau bläst die Sea Trials für den heutigen Tag ab. Draussen weht es zünftig, in der Marina Ginesta steht Schwell, der Yachten an exponierten Liegeplätzen tanzen lässt. Doch wie so oft ist nicht der Wind das Problem, sondern die Wellen. Die Hafenausfahrt ist gegen Süden gerichtet und da brettert es richtig rein. Wer nicht gleich richtig abbiegt, landet auf den Felsen. Bei der Planung hat man wohl vergessen, Fischer um ihre Einschätzung zu fragen. Denn von denen wäre niemand auf die Idee gekommen, hier einen Hafen hinzubaunen. Aber heute scheint die Sonne und der SE-Wind ist erst noch am Auffrischen. Also setzen Kollege Toby und ich die Lagoon-Leute sanft unter Druck, um trotzdem auslaufen zu können.

HARDCORE TEST

Unsere Initiative wird mit intensiven Bedingungen belohnt. Nach der Hafenausfahrt setzen wir im Rauf-und-Runter des Wellengangs das durchgelattete Gross mit einem Reff, die Selftacking-Genua ist mit 22 Quadratmetern klein genug und wird deshalb voll ausgerollt. Dann geschieht das Erstaunliche. Kaum steuert man die Lagoon 38 härter an den Wind, fängt sie an zu Laufen. Mit wenig Wind konnte das Vorgängermodell nichts anfangen, das war einer der wenigen Schwachpunkte. Aber es bläst jetzt mit 23 Knoten und die 38er zieht mutig ihre Bahn. Hin und wieder klatscht es gehörig, wenn eine Welle schräger als die anderen auftrifft. Das neu und eher kantig gestaltete Rumpfdesign verfügt über ein optimiertes Unterwasserschiff und das macht sich positiv bemerkbar. Bei einem Windeinfall von 50 bis fast 60 Grad machen wir flotte acht Knoten Speed. Gegen den Wind! Bei drei Meter Welle! Dabei verwindet sich der Kat nicht, er bleibt steif und schneidet die Wellenkämme unbeeindruckt durch. Auch unter Deck knarrt und giert nichts, die Verarbeitung hat ebenfalls Fortschritte gemacht. Da der Wind konstant bleibt, gehe ich auf Vorwindkurs und wir setzen das Gross voll durch. Die Wellenhöhe ist noch etwas gestiegen, trotzdem segelt sich die Neue souverän und ruhig. Ein typischer Charterskipper mit Familie würde bei diesen Verhältnissen wohl einen Hafentag einlegen, aber wir erfahren gerade, dass es sich auch so sicher segeln lässt. Gerne hätte ich den Kat noch mit weniger Wind und dem optionalen Code 0 ausprobiert, ob er sich auch in dieser Beziehung verbessert hat. Aber Aeolus hat leider kein offenes Ohr dafür.

Dafür spielen wir weiter mit dem Wind. Wendemanöver sind kein Problem, der katamarantypische «Trägheitsmoment», wenn der Bug durch den Wind muss, entfällt. Dank des Designs von den Katamaranspezialisten VPLP oder weil mehr Wind schnellere Wenden möglich macht? Auf alle Fälle kommt richtiges Segelfeeling auf – Katamarane der alten Generation steuerten sich eher schwammig wie angetrunkene Elefanten.

UNVERGLEICHLICH

Ich bin früher schon eine Woche auf einer Lagoon 380 gesegelt und war gespannt auf den Vergleich. Aber ich muss die Leser enttäuschen: es gibt keinen Vergleich. Zu neu ist alles, als dass man es einfach 1:1 abchecken könnte. Immerhin liegen zwischen den Modellen 25 Jahre Fortschritt – wer würde schon einen PC von heute mit einem Modell der Jahrtausendwende vergelche wollen? Eben. So sind auch die Ansprüche, die Vorschriften und die Gesetzesvorgaben nicht nur mehr, sondern auch strenger geworden. Zum Glück haben sich die Mittel und Methoden für die Verarbeitung ebenfalls stetig weiterentwickelt, so dass heute günstiger, besser und stabiler gefertigt werden kann.

Ein Raumwunder ist das Modellauf alle Fälle geblieben. Hier und da wurde auch optisch getrickst, um mehr Grösse zu suggerieren. Durch die voll zu öffnenden Schiebtüren verschwindet die Grenze zwischen innen und aussen, ein luftiger Open Space ergibt sich – mehr Lobby als Salon. Nauta Design macht seinem bekannten Namen alle Ehre und sorgt für ein modernes und funktionales Innenkonzept. Einen Navigationstisch gibt es (leider) nicht mehr, dafür muss man sich an den Salontisch setzen oder man kreiert seine Navstation im Office im Steuerbordrumpf. Den riesigen Kühlschrank kennt man so eher aus US-Küchen, dafür erhöht er die Intervalle zwischen Einkäufen. Mit einem Kat ist man eh’ lieber in einer schönen Ankerbucht als in einer (teuren) Marina. Man kann sich den 38er ganz gut als schickes Live-Aboard-Heim vorstellen. In der Version mit drei Kabinen absolut ideal, denn der so gewonnene Platz wird in ein grösseres Badezimmer investiert. Auch in den Schlafzonen mit den Doppelbetten kommt keine Platzangst auf. Die ganze Rumpfbreite wird geschickt ausgenützt, grosse Fensterflächen bringen Licht und Weite.

Für noch mehr Licht und Rundumsicht steigt man auf die Flybridge. Hier hat man alle Instrumente in Sicht und steuert unter einem schützenden Biminidach. Wer weiterklettert, kann die Sonnenliegen geniessen, welche vor den Solarpanels platziert sind. Auf dem Vorschiff befindet sich die grosszügige Relaxzone, einer der grossen Trümpfe der Kat-Philosophie. Noch näher am Wasser ist man auf den Badeplattformen der Rümpfe, wo ebenfalls Solarpanels über den Davits mithelfen, die Energiebilanz der Yacht zu optimieren.

LAGOON 38
Breite6.65 m
Tiefgang1.26 m
Verdrängung (leer)10.24 t
Gross50 m2
Genua22 m2
Code 0 (optional)59 m2
Wassertank500 l
Kraftstofftank400 l
Motorisierung2 x 29 PS
Schlafplätze6 bis 10
KonstrukteureVPLP Design
AussendesignPatrick le Quément
InnendesignNauta Design
CE-ZertifizierungA:8 / B:12 / C:16 / D:20
Preis€ 342’000
ex. MwSt (3 Kabinen)

FAZIT

Ein rundum gelungener Wurf, der die Beliebtheit von Katamaranen noch weiter anheizen wird. Man bekommt viel Schiff fürs Geld, ohne auf Segelvergnügen verzichten zu müssen (optional kann die Fläche des Grosssegels auch grösser bestellt werden). Und wer noch kein Kat-Fan ist, der könnte es mit diesem Modell aus der Lagoon-Reihe definitiv werden.

T: Stefan Detjen
F: Catamarans Lagoon

catamarans-lagoon.com

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