Dass am Tag zuvor noch Les Voiles de St. Tropez die südfranzösische Idylle mit segelbetriebenen Schätzen dominierte, könnte besser nicht passen. Die Brücke zu gediegener italienischer Eleganz mit zwei Mal 480 Pferdestärken ist geschlagen, Pain au Chocolat und Café inklusive. Die 35 Knoten Wind vom Vortag wurden pünktlich gegen flaches mediterranes Wasser mit Sonnenschein und leichtem Lüftchen ausgetauscht, um innerhalb von wenigen Momenten und 3.777 RPMs denselben Speed mit der nagelneuen Pardo 43 zu erreichen.
Der Fahrer, der wie der gesamte Test werftseitig höchst professionell organisiert wurde, gestand mir auf der Autobahn vom Flughafen Nizza nach St-Tropez, ein Fan von Walter Röhrl zu sein, ohne nur das geringste mit Bayern zu tun zu haben. Seine Mélange an Akzenten und Sprachen liess viele interessante Vergangenheiten vermuten. Dies ermöglichte es mir, nach reibungslosen Umbuchungen flexibel entspannt das Abendessen am Hafen zu erreichen. Wohl antizipierend, dass es am nächsten Tag um den geschmeidigen doppelten Gashebel für zwei ausgewachsene Volvo Pentas 650 ging, wurde der Mercedes-Benz getreten und die Radarwarnungen der terrestrischen Navigation elegant in den Fahrstil integriert.
Wir sind in medias res und testen die Pardo 43, ein Schmuckstück mit solider Eleganz bis ins letzte Detail. Ein optimierungsbedürftiges Detail sei nur erwähnt, um die kritische Professionalität dieses Bootstests zu unterstreichen, aber dazu später.



Das Produktportfolio des Pardo-Mutterkonzerns reicht von Mode (Falconeri), Weingütern oder Segelyachten (Grand Soleil) bis hin zu jenem 43-Fuss-Flagship, betrieben mit jeder Menge Pferdestärken (siehe Tabelle). In diesem stimmigen Mix an Premium-Produkten den gemeinsamen Nenner des typisch italienischen Chics zu erkennen, versteht sich von selbst. Die Linien und Ausführungen der Pardo 43 vereinen zusätzlich Solidität und Zeitlosigkeit auf vierzehn Metern – wiewohl die moderne und aquadynamischere Rumpfform mittlerweile Standard ist, an den sich auch (manche) eingefleischte Traditionalisten gewöhnt haben.
| PARDO 43 | |
| Länge ü.a. | 14.00 m |
| Rumpflänge | 12.80 m |
| Maximale Breite | 4.20 m |
| Tiefgang | 1.20 m |
| Verdrängung | ca. 11 t |
| Kapazität Crew | 12 (CE Kategorie B) 16 (CE Kategorie C) |
| Treibstoff | 1.300 l |
| Wasser | 400 l |
Diesen Gesamteindruck gilt es nun einer näheren Prüfung zu unterziehen. Die neue Pardo 43 sollte als Evolution auf bewährten Erfolg von über 300 verkauften Einheiten aufbauen. «Die Pardo 43 entsprang einer klaren Vision: eine Walkaround-Yacht, die Performance, Eleganz und Komfort an Bord verbindet wie nie zuvor.», erklärt Gigi Servidati, Präsident des Cantiere del Pardo – übrigens jenes Unternehmen, das auf die Erfahrung von insgesamt mehr als 5’000 produzierten Booten zurückgreift. Das Interieur entstammt der Feder von Nauta Design, wie schon bei der segelnden Schwester Grand Soleil. Das Gesamtkonzept ist nach wie vor basierend auf dem Originalspirit eines Daysailors aufgebaut – für Übernachtungen, Home-Office und Verweilen über mehrere Tage mehr als einladend. Das nun modulare Interieur ermöglicht all dies ohne Kompromisse.

Die getestete Pardo 43 ist leichtgängig und simpel zu navigieren, das Dashbord ist komplett neu designt und erinnert an moderne Automobile, nur viel grösser. Alle Daten, Schnittstellen gemeinsam mit Garmin entwickelt sowie Pardo-spezifische Funktionalitäten, sind auf einen Blick sehr userfriendly über die gesamte Breite des Steuerstands ablesbar.


Materialien, Design und Funktion harmonieren. Elegant und Dezibel-freundlich wird im Golf von St-Tropez die Gleitfahrt von 18-19 Knoten erreicht, bei 2.750 Umdrehungen und 4.3 Liter optimalem Verbrauch pro Stunde. Enge Radien bei Vollgas werden präzise gezogen, die dynamische Silhouette und Rumpfgeometrie verleihen der Pardo 43 solide Sportlichkeit mit eigener Identität. Der Antrieb wird je nach Anforderung und Budgetdefinition vom Eigner gewählt: zwei Mal Volvo Penta IPS 500, 600 oder 650. Bei der triplen Aussenborderkonfiguration mit drei Stück Mercury V10 (3×400) oder V12 (3×600) ist natürlich auch das Rumpfdesign so spezifiziert, dass es zu den jeweiligen Antriebsoption optimal passt – Performance, Geräuschvermeidung und Stabilität als zentrale Kriterien.


Das achterliche Glasfaser-Sunpad verleiht nun in seiner Gesamtgrösse auch als Designelement sehr subtil Sportlichkeit, Spoiler-ähnlich inspiriert von der GT52 wirken die 43 Fuss leichter und eleganter. Die komplett neu entwickelte Outdoor-Galley ist geschmackvoll in das Gesamterscheinungsbild integriert und lässt von kulinarischen Herzensmomenten in der Bucht um die Ecke träumen. Um die Romantik nicht ausufern zu lassen, sei hier das einzige Haar in der Suppe erwähnt: hinter dem Steuerstand mit seinen drei Pilotensitzen die Fahrt über Welle und Seegang mitverfolgend, hält man sich instinktiv am Griff der Outdoor-Galley-Abdeckung fest, das funktioniert auch einwandfrei. In Ausnahmefällen, etwa bei zu abruptem Gas geben über die Welle, kann es vorkommen, dass jener Deckel sich ein paar Zentimeter öffnet und der Gast bei festem Griff erschrickt. Und das ist schon das einzige zu optimierende Detail der Pardo 43: den Deckel fixieren, um auch hier der Gesamtsolidität die Ehre zu erweisen. Jene Outdoor-Kombüse gibt es in mehreren Konfigurationen, Grillstation inklusive.
Die Handläufe wechselten im Vergleich zur Vorgängerin von rund auf ergonomisch angenehm, das solide und carbonisierte T-Top wurde um 30% vergrössert.


Bild rechts: Handlauf Galley-Abdeckung aussen
Die Fendergarage mit diversen Wasserspielzeugen lässt sich smart öffnen, auch über eine praktische Backskiste steuerbordseitig, ohne die Gäste auf der achterlichen Liegewiese aufzuscheuchen. Ebenso ist der Niedergang in den Motorraum mitschiffig leicht zu öffnen, auch wenn ein Teil der Liegewiese im Handumdrehen in einen geräumigen Ess- und Sitzbereich transformiert wurde.
Backbord neben dem Steuerstand befindet sich die Plexiglass-Schiebetüre in die geräumige Kajüte inklusive Home-Office, der Indoor/Outdoor-Flow ist ungebrochen. Elegante und robuste Materialien unterstreichen die simplen und strukturstarken Linien, auch im Inneren wird der intuitiven Nutzung des Gesamtraumes bei jedem Wetter Rechnung getragen. Grossflächige Fenster im Rumpf erhellen den Lifestyle mit viel Tageslicht unter Deck. Klimaanlage, wo nötig, und der grosszügige Bildschirm von Samsung – früher hätte man gesagt TV, heutzutage als multimedialer Bestandteil für Entertainment und Job ein Ausdruck von Gegenwart – sind in diesem Segment selbstverständlich. Bei Teams- oder Zoom-Meetings ist es ratsam den Hintergrund zu ändern, der Originalblick könnte Missgunst und Neid auslösen.

Die Underwater-Beleuchtung und viele Pferdestärken sind für den amerikanischen Markt ein Must – die easy 50 Knoten Geschwindigkeit sind fast Pflicht. Der transatlantische Erfolg der Pardo 43 ist vorgezeichnet, in Richtung Export leuchten, wie wir unschwer antizipieren dürfen noch andere Unsicherheiten auf, das steht allerdings auf einem anderen Blatt Papier. Alle Lichter, wesentliche, sinnvolle und auch die verspielten, sind selbstverständlich über das zentrale Paneel steuerbar.
Eleganz, Solidität, Stärke – auch im Sinne der Pferde -, Qualität, Klarheit und pure Lebensfreude sind die Schlagwörter, die das Resümee eines Tests bilden. Pardo-Eigner erwarten dieselbe Qualität, die sie von ihrem Automobil der Oberklasse gewohnt sind, diese Vorgabe wird sowohl in Anmutung als auch Haptik in nautischer Ausprägung erfüllt. Diverse Kooperationen von Cantiere del Pardo mit Ferrari oder Mercedes-Benz unterstreichen diesen Anspruch. Nicht weiter verwunderlich und doch beeindruckend ist, dass innerhalb von wenigen Tagen nach der offiziellen Präsentation schon 20 Einheiten verkauft wurden. Die 333 Stück des Vorgängermodells werden wohl in weniger als sieben Jahren erreicht, Wachstum ist auch generell fix eingeplant: in die neue Produktionsstätte Marina di Ravenna, aber auch in die bestehenden Forli und Fano wird signifikant investiert.
Das getestete Boot erreicht einen Nettopreis von 1.2 Millionen Euro, der Wassertank von 400 Litern fällt da weniger ins Gewicht, der Sprittank von 1’300 Litern macht sich dann bei den laufenden Kosten eher bemerkbar, aber das liegt in der Natur der Sache.
T: Georg Gamsjäger
F: Cantiere del Pardo / Werft / Gianluca Naphtalina Campores


